Die Regeln der Ninja

10 Regeln, von Hatsumi Masaaki aufgestellt, die zeitlos sind und für alle Ninja gelten sollen.


Wann immer ich versuchte einen Grund für das Überleben der neun Traditionen des Ninjutsu über eintausend Jahre Geschichte zu finden, glaubte ich dies läge daran, dass jeder Sōke oder „Kopf der Familie“ seine Erfahrungen schriftlich und mündlich weitergab. Die Köpfe der Familie riskierten ihr Leben, um die Erleuchtung zu erreichen und ihre Erfahrungen wurden zu den Regeln der Ninja.

Die Ninja schufen diese Regeln, um göttliche Schwingen zu erlangen. Die Regeln sind natürlich erschaffen worden und passen in jede Zeit und jede Situation. Durch sie wird man sich des Kyojitsu tenkan ho, oder des richtigen Gebrauchs der Wahrheit und der Lüge im Training des Ninpō Taijutsu bewusst. Diese Regeln sind wie die „sieben Wege, drei Richtungen“ der Ninjamethode des Verkleidens; die sieben Geheimnisse der Verkleidung und die drei Richtungen ergeben zehn. Zehn symbolisiert eine gute Kraft, die das Böse besiegt.

Die Ziele der Ninja sind: Erstens, Ninjutsu zu benutzen, um das feindliche Lager zu infiltrieren und die Situation zu beobachten. Dann können Strategien für einen Überraschungsangriff oder innere Unruhe entwickelt werden. Es stimmt, dass wir keine Wahl haben, als nach dem Sieg zu streben, wenn der Feind sich gegen uns stellt, aber normalerweise sollten wir unser Selbst auslöschen, um unsere Handlungen zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Hier spreche ich vom feindlichen Land als etwas, was Gestalt hat, aber ich möchte erwähnen, das ebenfalls in der Natur und in den Seelen anderer Menschen Feinde gefunden werden können. Diese Bemühungen sollten für die Herrscher und das Land benutzt werden, um das eigene Land und sich selbst zu schützen, und den Frieden für beide Seiten zu sichern.

Zweitens, sollte ein Ninja den Herrschern und dem Land durch einen gerechten Geist helfen, und seine Seele für Lehrer und Eltern kultivieren. Er darf Ninjutsu nicht für seinen persönlichen Profit, Wünsche oder für den Zweck der Unterhaltung nutzen.

Ein wichtiger Punkt im Kampf für den Schutz der Gerechtigkeit ist, das die Gerechtigkeit des Feindes oft falsch interpretiert wird keine Gerechtigkeit zu sein.

Wir sollen unsere Dienste unseren Lehrern und Eltern anbieten. In Japan gibt es eine Regel, die besagt, dass die Verbindung zwischen Eltern und Kind eine Generation hält, zwischen Mann und Frau zwei Generationen und zwischen Lehrer und Schüler drei Generationen. Dies verdeutlicht, wie sehr wir unseren Lehrern in der Schuld stehen und wie wichtig es ist ihnen unsere Dienste anzubieten.

Ich würde gerne über mich selber sprechen, fünfzehn Jahre nach dem Tod von Meister Takamatsu. Meine Schüler haben sich entwickelt und ich fühle, dass ich sie nun wirklich Schüler nennen kann. […]

Es ist nicht erlaubt Ninjutsu für den Zweck der Unterhaltung, oder um Zauberei vorzuführen zu benutzen. Wenn man Ninjutsu für solche Zwecke gebraucht, ist es nicht länger Ninjutsu, sondern Zauberei oder Hexerei. So jemand ist nicht in der Lage in der Gesellschaft zu leben, wo er sich anderen öffnet, sondern er wird zusammen mit den Schlangen, Kröten und Schnecken in einer Welt leben, in der die Sonne niemals scheint.

Bewusstsein, das aus Selbstinteresse oder egoistischen Wünschen herrührt schickt dich eine Richtung ohne Ziel. Wenn du die Regeln der Ninja vergisst und auf diese „Straßenbahn“ mit gewalttätigen Gedanken aufspringst wirst du an der Endstation „Verbrecher“ oder „Gefängnis“ oder „Stahlsarg“ ankommen.

Etwas ist eigenartig faszinierend am Ninjutsu. Ein schlechter Ninja, der sich Vorteile verschafft, durch das was er erlernt hat, wird als vulgärer Händler oder dummer Verbrecher erscheinen. Genauso, wie Gefolgsleute träge werden, nachdem sich die Trainingshalle fest behauptet hat, werden die Fähigkeiten eines Ninja schwach, wenn er seinen Bedürfnissen sichtbar nachgeht.

Drittens, Ninjutsu setzt große Bedeutung auf Hojutsu, das Kyojitsu tenkan ho ist, oder die Methode zwischen Wahrheit und Lüge hin- und herzuwechseln. Du kannst Taijutsu benutzten, ohne dich dem Feind zu enthüllen, aber wenn du keine andere Wahl hast, kannst du Happo hiken oder die acht Methoden ein Schwert zu handhaben nutzten oder Ninja-Werkzeuge benutzten, um den Feind zu verwirren.

Es ist wichtig, ihn zu verwirren. Man könnte sagen Hojutsu legt mehr Betonung auf den Angriff des Geistes als des Körpers. Das bedeutet, der Ninja benutzt Techniken der Untersuchung, Spionage, Heimlichkeit und benutzt sowohl die Wahrheit, als auch die Lüge eng nebeneinander, um sein Ziel zu erreichen. […]

Viertens, Ninja müssen die Benutzung von Sprengstoff, Ninja-Werkzeugen und Drogen – sowohl die gute Medizin, als auch die giftigen Drogen – meistern. Es ist wichtig die Regeln zu beachten, das man einen Feind nicht töten soll. Die Ninja erkannten das Prinzip, dass ein schlechtes Ende sie selbst zerstört. Und mit Betrachtung des menschlichen Lebens ist eine Person tot, wenn ihr Geist tot ist, selbst wenn der Körper noch lebt. Die Ninja haben diesen Geist der Gerechtigkeit vorangetrieben.

Fünftens, ein Ninja sollte erhebliche Zeit mit der Übung seiner Waffen verbringen. Es wird geschrieben, er soll Vorteil daraus ziehen und von seinen Instinkten lernen. Der Waffengebrauch ändert sich mit der Zeit, und was heute noch gilt ist morgen vielleicht ungültig. Du sollst dich üben, jede Waffe gebrauchen zu können. Als ich New York besucht habe, waren alle erstaunt, dass ich jede Waffe, die man mir gab benutzen konnte. Sie nannten mich einen Zauberer.

Sechstens, ein Ninja soll immer in direkten Kontakt mit Meteorologie, Physiographie und Geographie kommen. Durch Meteorologie und Physiographie können wir den Wechseln und die wahre Erscheinung der Natur verstehen. Dies ist nicht akademisches Lernen, sondern vielmehr Erfahrung, die den ganzen Körper mit einbezieht, damit wir die stille Sprache der Natur verstehen durch Übertragung von Gefühlen und Empfindungen. Die könnte man als „Sprechen mit Gott“ ansehen.

Siebtens, in einer Zeit, als in Japan Bürgerkrieg war wurden Ninja, die Gesetzte brachen schwer bestraft. Selbst engste Verwandte wurden enthauptet, ins Exil geschickt oder verbannt. Als der Krieg eskalierte, gelangten Ninja immer wieder in die tragische Situation, in der sie in den Grenzen dieser Regeln leben mussten. Dies ist auch der Grund, warum sie eine Philosophie entwickelten, die besagt man solle immer versuchen, einen Kampf zu verhindern, und sich davonstehlen oder fliehen, bis der Kampf vorbei ist. […]

Achtens, Ninja dürfen niemanden töten, oder Ehrenmenschen verletzten, Geld stehlen oder Wertsachen entwenden.

Neuntens, ein Ninja muss sich immer um sich kümmern, einen starken Körper entwickeln, schnelle Bewegungen entwickeln, und so viele Dinge lernen und meistern wie möglich. Ich liebe Musik, spiele E-Gitarre, führe japanische Tänze aus, mag es zu malen und zu schreiben, und ich arbeite schwer, um die Seele des Ninjutsu zu entwickeln.

Zehntens, Ninja müssen ihr Training fortführen. Es gibt achtzehn Gebiete des Trainings – geistige Entwicklung, unbewaffneter Kampf, Schwertkampf, Stab- und Stockkampf, Klingenwerfen, Speerkämpfen, Schwertlanze, Kette und Sichel, Feuer und Explosivstoffe, Verkleiden und Personen verkörpern, Heimlichkeit und Einbruchmethoden, Reiten, Wassertraining, Strategie, Spionage, Flucht und Verbergen, Wetterkunde und Landschaftskunde. […]

– Hatsumi Masaaki (Essence of Ninjutsu)

 

 

Artikel zum Thema „Philosophie“

Die 5 Gebote der Ninja

5 Gebote von Hatsumi Masaaki, an die man sich, wann immer man traurig, unglücklich, krank, verwundet oder verzweifelt ist, erinnern soll.

Essenz des Ninjutsu

Takamatsu Toshitsugu und Hatsumi Masaaki äußern sich zur Essenz des Ninjutsu, zu dem was es ausmacht ein Ninja zu sein.

Taoismus

Die taoistische Philosophie ist eine Weltanschauung, die dem Ninja half, seinen Geist und seine Handlungen ins natürliche Gleichgewicht mit dem Universum zu bringen.

Erleuchtung

Der Ninja strebte sein Leben lang dem „Pfad des Kriegers“ zur Erleuchtung zu folgen. Die Erleuchtung ist ein nicht zu fassender Begriff, der einen Zustand von vollkommendem Verständnis und Klarheit darstellt.

Bewußtsein und Geist

Neben den fünf Elementen der Materie gibt es noch einen weiteren wichtigen Bereich für den Ninja - den Geist und seine Fähigkeiten. Dieser sechste Sinn hat seinen Sitz zwischen den Augenbrauen, ein wenig erhöht. Dieser Punkt wird auch das „Dritte Auge“ genannt.

Tenchijin

Die Ninja nutzten die taoistische Betrachtungsweise der Welt mit In und Yō, um eine Strategie zu entwickeln, die eine Bewertung von Situationen unter verschiedenen Gesichtspunkten ermöglichte.

Gogyō

Das Gogyō ist ein taoistisches Elementsystem, das auf der Polaritätstheorie von Yin und Yang basiert. Mit diesem Modell soll verdeutlicht werden, wie alle Elemente miteinander verknüpft sind, sich selber erschaffen oder vernichten.

Godai

Das Godai ist eine philosophische Betrachtungsweise des Universums. Durch das Verständnis für das Wirken der fünf Elemente und deren Manifestationen versuchte der Ninja die Zusammenhänge der Schöpfung und dadurch auch sich selbst zu verstehen.

Sanmitsu

Mikkyō enthält drei Faktoren, die als „Die Drei Geheimnisse“ bekannt sind. Diese sind Gedanke, Wort und Tat. Sie werden durch Mandala, Mantra und Mudrā dargestellt.

Mikkyō

Eine der esotherischen Lehren, auf denen die Philosophie des Ninjutsu beruht, ist das Mikkyō. Entstanden in Indien, und von China aus durch japanische Mönche nach Japan gebracht, ist diese Lehre eine interessante Erweiterung für den geistigen Wachstum des Ninja.

Kampfregeln

Das Ziel des Ninjutsu ist es sein Leben so zu organisieren, dass es erst gar nicht zu Konfliktsituationen kommt, da Kampf nur das letzte Mittel zur Lösung eines Konfliktes ist.

Ninjutsu

Grundgedanke des Ninjutsu sind nicht Attentate und Spionage, sondern die Entwicklung eines freien und gerechten Geistes. Die Geschichte hat den Ruf der Ninja verfälscht, was bis in die Moderne anhält und auch von den Medien weitergepflegt wird.

Nach oben